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Guuude,
da mein ganzer Bekanntenkreis weis das ich einer von den Grauen Wölfen bin werde ich immer gefragt “ was sind die Grauen Wölfe eigentlich? ” oder “ ihr seid doch gegen Kurden gel? ” oder “ seid ihr Rassisten? ”. Hmm also hab ich jetzt eine ausführliche Erklärung hier eingefügt. Wenn ihr interessiert seid einfach scrollen und lesen. Viel Spass!!
Die Ülkücülük-Bewegung (Der türkische Nationalismus)
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
- VORBEMERKUNG
- EINLEITUNG
- DIE ÜLKÜCÜLÜK-BEWEGUNG (DER TÜRKISCHE NATIONALISMUS) 1. DIE UNTERSCHIEDLICHEN NATIONVERSTÄNDNISSE, DIE IN DER TÜRKEI VORZUFINDEN SIND 1.1 Islamcilik (Bekenntnis zm Islam) 1.2 Osmacilik (Bekenntnis zum Osmanischen Reich) 1.3 Pan-Türkizm (Pan türkische Bewegung) 1.4 Turancilik (Bekenntnis zu Turan Han) 1.5 Türkiyecilik (Bekenntnis zur Türkei)
2. ÜLKÜCÜLÜK (IDEALISMUS) 2.1 Entstehung und Geschichte der Ülükücülük-Bewegung 2.2 Was ist Ülkücülük 2.3 Ziel des Ülkücülük
2.4 Dokuz Isik (Neun Lichter) 2.4.1 Milliyetcilik (Bekennung zur Nation) 2.4.2 Ülkülcülük (Bekennung zum Idealismus) 2.4.3 Ahlakcilik (Bekennung zur Moral) 2.4.4 Toplumculuk (Bekennung zur Gemeinschaft)
2.4.5 Ilimcilik (Bekennung zur Wissenschaft) 2.4.6 Hürriyetcilik (Bekennung zur Freiheit)
2.4.7 Köycülük (Reformierung der Dörfer) 2.4.8 Gelisimcilik ve Halkcilik (Entwicklung und Populismus) 2.4.9 Endustricilik ve Teknikcilik (Industrialisierung und Technologisierung)
3. DIE ÜLKÜCÜLÜK-BEWEGUNG IN DER PRAXIS
- LITERATURVERZEICHNIS
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V O R B E M E R K U N G
Bei meiner Arbeit werde ich mich auf Primärliteratur beziehen, die idiologisch aufgebaut sind. In der Literatur werden so gut wie keine eindeutigen Aussagen gemacht. Um den Inhalt der Theorien zu verstehen, ist es notwendig, die türkische Geschichte, Sitten und Mentaliät zu kennen, da dadurch erst viele Angaben verstanden werden können. Viele Schilderungen werden erst dann verständlich, wenn man sich viele verschiedene Bereiche der Ülkücülük-Bewegung anschaut, da fast alle Aussagen aufeinander aufbauen und im Zusammenhang zu verstehen sind. Aus diesem Grund sind wenig Fußnoten in meiner Arbeit zu finden.
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EINLEITUNG
Das Thema meiner Arbeit, ist der türkische Nationalismus.
Bei der suche nach geeigneter Literatur zu diesem Thema, habe ich herausgefunden, daß der Begriff der Nation, in der Türkei, in sehr vielen verschiedenen Bedeutungen gebräuchlich ist. Der Begriff der Nation, wird einerseits durch die ethnische Herkunft und Blutsverwandtschaft (Volk)definiert, und anderseits versucht man die Nation, durch Merkmale, die aus dem geschichtlichen Zusammenleben der Menschen, während des Osmanischen Reiches, stammen, zu erklären.
Ich werde bei meiner Arbeit, kurz auf die gängigsten Nationalbegriffe eingehen, da diese für das Verständnis des Haupthemas wichtig sind. Als Schwerpunkt habe ich mir die Theorie des Ülkücülük ausgesucht. Ich habe mich, für die
Bearbeitung dieser Theorie entschieden, da diese Theorie in einer breiten Öffentlichkeit anklang findet, und da die Sympathisanten nicht nur aus einer sozialen Schicht stammen.
Diese Theorie beeinflußt zum Teil latend und zum Teil offen die türkische Politik, da die Milliyetci Hareket Partisi (MHP) diese Theorie vertritt und in der Opposition vertreten ist. Die MHP war zwei mal an der Regierungsbildung beteiligt.
Bei meiner Arbeit werde ich mich auf die Lektüren von Alparslan Türkes beziehen. Er ist der Vorsitzender der MHP und der bedeutenster Vertreter der Theorie des Ülkücülük.
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DIE ÜLKÜCÜLÜK-BEWEGUNG (DER TÜRKISCHE NATIONALISMUS) 1. DIE UNTERSCHIEDLICHEN NATIONVERSTÄNDNISSE, DIE IN DER TÜRKEI VORZUFINDEN SIND.
In der Türkei sind folgende Formen des Nationverständnis
vorzufinden:
1.1 ISLAMCILIK (BEKENNTNIS ZUM ISLAM)
Bei dieser Auffassung von Nation, wird auf jegliche Art von ethnischer Herkunft und Blutsverwandtschaft (Volk) kein Wert gelegt. Die Charakterisierung der Nation, wird durch das Bekenntnis zum Islam definiert, d.h. daß jeder Muslime, in der Gemeinschaft der Nation aufgenommen wird, ohne auf die ethnische Herkunft zu achten.
Diese Art von Verständnis, von der Nation, ist während des Osmanischen Reiches entstanden. Damals lebten viele verschiedene Völker als eine Nation zusammen. Der Islam, war der einzige gemeinsame Halt, den diese Leute hatten. Der Herrscher des Osmanischen Reiches, war gleichzeitig auch der Kalif aller Muslime. In laufe der Zeit, vermischten sich die Kulturen und Sprachen, so daß sich die Menschen immer mehr ähnelten, was ihr Verhalten und Denken anbelangte.
Abgesehen von einigen kleinen Aufständen, gab es im Osmanischen Reich keine Probleme, in bezug auf das Zusammenleben, bis in das 19.Jahrhundert. Mit der Schwächung des Osmanischen Reiches und der Entstehung nationaler Staaten,
fingen die einzelnen ethnischen Gruppen, die im osmanischen Reich lebten,an, nach einem eigenen Staat zu streben. Dies führte dazu, daß die Theorie des Islamcilik gescheitert war. Die ethnischen Gefühle waren stärker als die religiösen.
1.2 OSMANCILIK (BEKENNTNIS ZUM OSMANISCHEN REICH)
Bei dieser Auffassung der Nation, handelt es sich um eine Staatsnation. Dieses Vertändnis entstand während der Zeit des Tanzimats, und beinhaltete alle Völker, die im Osmanischen Reich lebten. Bei diesem Nationbegriff wurde wederauf die ethnische Herkunft noch auf die religion geachtet.
Das wichtigste war die Gebundenheit und die Loyalität gegenüber dem Osmanischen Reich. Diese Theorie hatte auch kein Bestand, da die ethnischen Gefühle stärker waren als die Loyalität gegenüber einem Vielvölkerstaat.
1.3 PAN-TÜRKIZM (PAN TÜRKISCHE BEWEGUNG)
Diese Bewegung entstand ende des 19.Jhd. und anfang des 20.Jhd. und hatte sich als Ziel gesetzt, alle Türken, innerhalb und außerhalb des Osmanischen Reiches, zu vereinen.
Die Bewegung, impliziert unter dem Begriff der Nation, die Nachkommen aller Turkvölker. Während des Weltkrieges versuchte man alle Turkvölker für die Idee eines großtürkischen Staates zu mobilisieren. Diese Idee wurde unter anderem von den Kirgisen, Kasaken, Baschkiren, Aserbeidschaner und von anderen Turkvölkern aufgenommen. Dieser Versuch scheiterte an der militärischen Unterlegenheit der Turkvölker.
1.4 TURANCILIK (BEKENNTNIS ZU TURAN HAN)
Diese Richtung des Nationverständnisses ist bei einigen Völkern in Ungarn, Polen und Finnland entstanden, die Nachkommen von Turan Han bzw. seines Stammes waren. Sie erhofften sich mit dem Bekennen zu dem Turan Han, daß die Turkvölker sie als Gleichwertig aufnehmen würden und sie von der Unterdrückung durch die slavischen und germanischen Völker befreien würden. Diese Theorie wurde in der Türkei nicht besonders publik, wird aber dennoch in der Literatur aufgenommen.
1.5 TÜRKIYECILIK (BEKENNTNIS ZUR TÜRKEI)
Türkiyecilik bedeutet die Akzeptanz der Türkei in den Grenzen, die in den Verträgen von Lausanne (1923) festgelegt wurden. Alle Personen, die in diesen Grenzen leben werden durch diese Verträge als Türken angesehen, ohne auf ihre ethnische und religiöse Herkunft zu achten. Türkiyecilik wird von der türkischen Regierung praktiziert.
Mit solch einem Verständnis der Nation, sollen Trennungsmerkmale wie Kultur, Sprache und Bräuche vereinheitlicht werden. Dabei wird kein Rücksicht auf die Kultur und Sprache von Minderheiten genommen. Bevölkerungsgruppen, wie die Kurden, die ca.25% der Einwohner darstellen, werden ignoriert. Dies führt dazu, daß sich benachteiligte ethnische Gruppen Autonomie wünschen, damit sie ihre eigene Sprache sprechen und ihre eigene Kultur ausleben können (s. die Kurden).
Die angeführten Beispiele, von Nationverständnissen, sind sehr gekürzt, sollen aber dennoch die verschiedenen Meinungen veranschaulichen. Diese Theorien sind, wie ich schon dargestellt habe, gescheitert, bis auf die Türkiyecilik-Theorie, die erst vor einigen Jahren ihre Schattenseite zeigte, wie die Ignoranz von ethnischen Gruppen, die innerhalb der Türkei leben.
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2. ÜLKÜCÜLÜK (IDEALISMUS) 2.1 ENTSTEHUNG UND GESCHICHTE DER ÜLKÜCÜLÜK-BEWEGUNG
Die Ülkücülük-Theorie entstand in der Zeit des I. u. II.Tanzimats (1839-1920). Zu dieser Zeit versuchten die Jungtürken Reformen durchzusetzen, die fast alle Lebensbereiche betrafen. Die Jungtürken kamen meist aus Wohlhabenden Familien und besaßen eine europäische Bildung. Diese Leute bekamen die gesellschaftlichen Veränderungen in Europa mit und versuchten diese in der Türkei auch durchzusetzen. Diese Aktionen fanden zu einer Zeit statt, wo das Osmanische Reich immer mehr an Macht und Land verlor. Die Gründe hierfür waren verschieden. Einerseits lag es daran, daß die Gegner immer besser Ausgerüstet wurden, anderseits war das Osmanische Reich von innen geschwächt. Im Vielvölkerstaat (Osmanischer Reich) fingen viele verschiedene ethnische Gruppen an, Autonomie zu verlangen. Diese Gruppen organisierten Aufstände und leisteten Widerstand gegen das Osmanische Reich. Diese Aufstände wirkten sich negativ auf die Innenpolitik aus, da die Regierung, aus Personen verschiedener ethnischer Gruppen bestand, die wichtige Positionen bekleideten und nicht loyal gegenüber dem Osmanischen Reich waren. Das Prinzip des Nationalstaates, mit vielen verschiedenen ethnischen Gruppen, fing langsam an zu versagen und zusammenzubrechen.
Die Reformen der Jungtürken sahen vor, daß man sich von einer Nation, mit vielen ethnischen Gruppen, distanzieren müsse. Solch ein Verständnis der Nation hatte, nach Meinung der Jungtürken dazu geführt, daß das Osmanische Reich geschwächt wurde. Sie verlangten, daß alle Türken sich zum Türkentum bekennen sollten. Sie sollten sich zusammentun und den Versuch starten, das Osmanische Reich wieder zu stärken.
Ende des 19.Jhd. und anfang des 20.Jhd. wurden die ethnischen Konflikte im Osmanischen Reich größer. Die einzelnen Völker schlossen sich mit europäischen Mächten, wie England und Frankreich zusammen und bekämpften das Osmanische Reich. Sie erhofften sich durch die Kooperation, mit England und Frankreich, an ein eigenes und souveränes Land zu kommen. Die Koalition war erfolgreich. Folge dessen mußte das Osmanische Reich Land abtreten. Diese Ereignisse bestärkten die Jungtürken in ihrer Forderung, zur Besinnung zum Türkentum. Die Jungtürken waren der Meinung, daß die Niederlage des Osmanischen Reiches, durch die vielzahl von ethnischen Gruppen geschah, die sich nicht dem Staat und der Nation gegenüber gebunden fühlten, sondern der eigenen Ethnie (Volk). Sie waren der Meinung, daß die Zeit gekommen sei, daß sich die Türken auch zu der eigenen Herkunft bekennen müßten.
Während des ersten Weltkrieges versuchte man alle Türken mit der Idee des Türkentums zusammenzubringen und das Osmanische Reich noch zu retten. Dieser Versuch mißlang, denn das Reich verlor den ersten Weltkrieg.
Mit der Staatsgründung versuchte man die Idee des Türkentums mit staatlichen Initiativen anzustreben. Diese Bestrebung erreichte nicht die gewünschten Ergebnisse, da es wenig qualifizierte und überzeugte Anhänger des Türkentums gab. In den 40'er und 50'er Jahren traten fremdländische Ideologien in die türkische Gesellschaft ein, wie z.B. Marxismus, Faschismus und Kapitalismus. Die Anhänger solcher Ideologien begaben sich in eine offene Konfrontation mit den Nationalisten. Zu dieser Zeit fanden die neuen Ideologien durch die Regierungen latente Unterstützung. Die Regierung bekämpfte die Nationalisten. 1944 wurden viele Nationalisten verhaftet und später durch die Militärgerichte freigesprochen. 1954 wurden nationalistische Organisationen Verboten und geschlossen.
Bis in die mitte der 50'er Jahre, war die Ülkücülük-Bewegung eine unpolitische Bewegung. Sie hatte sich als Ziel gesetzt, die türkische Bevölkerung durch Argumente und beispielhaftes Verhalten zu überzeugen, und dadurch mehr zulauf zu bekommen. Die Aktionen des Staates, die sich gegen die Nationalisten richtete, veranlaste die Anhänger der Ülkücülük-Bewegung, politisch aktiv zu werden. Zu dieser Zeit entstand die heutige Form dieser Bewegung.
Die Ülkücüler (Anhänger der Bewegung und Idealisten) traten in Parteien ein und fingen an sich zu organinisierten. Sie Gründeten auch eigene Parteien, nachdem der Staat aufhörte, sie zu bekämpfen. In laufe der Zeit, konnten die Ülkücüler, immer mehr Anhänger und Sympathisanten finden. Bei den Wahlen, konnten die Natonalisten ins Parlament reinkommen. Sie waren auch zwei mal an der Regierungsbildung beteiligt.
Ab anfang der 70'er Jahre, begannen links eingestellte Gruppierungen mit Terror-und Mordanschlägen. Die Regierung war nicht in der Lage diese Gruppierungen wirksam zu bekämpfen. Die Nationalisten fühlten sich durch die marxistischeorientierten Personen bedroht und sie begannen Widerstand zu leisten. Diese Gegenwehr führte zu einem Bürgerkrieg. Der Staat ging gegen die Nationlisten genau so hart vor, wie gegen die Linken. Die Ülkücüler waren bei der Bekämpfung der marxistischen Gruppen erfolgreicher als die Regierung, wodurch die Haltung der Regierung gegenüber den Nationalisten sich änderte. Die Regierung sah bei Aktivitäten der Nationalisten hinweg und lies sie gegen die Marxisten kämpfen.
Mit dem Militärputsch vom 12.September 1980 wurden alle Parteien verboten und der Ausnahmezustand ausgesprochen. Die Regierung versuchte die nationalistische Bewegung erneut zum scheitern zu bringen, aber durch die Bekämpfung der linken Gruppierungen, konnten sich die Ülkücüler viele neue Anhänger und Sympathisanten verschaffen.
Mit der Zulassung der alten Parteien (1988), konnte die Milliyetci Hareket Partisi (MHP) wieder aktiv werden.
2.2 WAS IST DIE ÜLKÜCÜLÜK
Ülkücülük bedeutet Idealistisch zu sein. Es bedeutet eine Vision zu haben, welche Zufriedenheit und Glück für sich und seine Mitmenschen bringen soll. Die Ülkücüler sollen versuchen die Vision in die Realität umzusetzen. Die Visionen müssen nicht innerhalb kürzester Zeit zu verwirklichen sein, sie können in einigen Jahren, Jahrhunderten oder auch in einem Tag verwirklicht werden. Diese Visionen sollen aber realistisch und für das Allgemeinwohl bedacht sein. Diese Visionen sollen die Türken vom materialistischen Denken zur guten Moral und Menschlichkeit führen.(Gute Moral und Menschlichkeit werden in der Türkei hoch geschätzt.)
Die Visionen sollen dahingehen, daß die Türkei von dem Einfluß fremder Länder befreit werden soll. Um das zu erreichen, müßte die Türkei in den Bereichen Wirtschaft,Wissenschaft und Landwirtschaft fortgeschrittener werden und eine internationale Führungsposition einnehmen. Nur so könnte man die Unabhängigkeit des türkischen Volkes erreichen und ihren Rechten international Geltung verschaffen. Dies sind die wichtigsten Merkmale, die ein Ülkücü erreichen sollte. Er sollte diese Grundprinzipien immer vor Augen haben und bei seiner Arbeit berücksichtigen. Die ülkücüler sollen versuchen, in ihrem Arbeitsbereich die besten zu werden, um die Vision schneller realisieren zu können.
Die Ülkücüler gehen nach dem Prinzip, daß wenn jemand seine Arbeit gut erledigt und damit seinem Umfeld gutes tut, tut auch gutes für seine Nation und damit der Menschheit.
Ziel der Ülkücüler ist es, die türkische Nation innerhalb kürzester Zeit und kürzesten Weg in die Zufriedenheit, Modernität und Unabhängigkeit zu führen.
2.3 ZIEL DES ÜLKÜCÜLÜK
Ziel der Ülkücüler ist es, die türkische Nation innerhalb kürzester Zeit und kürzesten Weg in die Zufriedenheit, Modernität und Unabhängigkeit zu führen.
Diese Ziele sollen durch gute Wirtschaft, Moral und Menschlichkeit erreicht werden. Nach ihrem Standpunkt kann man in einer Gesellschaft nur dann harmonisch miteinander leben, wenn die wirtschaftlichen Gefälle nicht gravierend groß sind. Gute Moral und Menschlichkeit werden in einer gut funktionierenden Gesellschaft von alleine kommen. Also ist für sie, in erster Linie, die Beseitigung der wirtschaftliche Misere wichtig.
Die Ülkücüler sind der Meinung, daß die schwache Wirtschaft auf das Kopieren und Nachmachen von anderen Systemen und Staaten zurückzuführen ist. Sie vertreten die Ansicht, das es keinem fremden Land und keinem fremden Volk daran gelegen sein kann, daß sich die Türkei wirtschaftlich weiter entwickelt. Jeder versucht seinen Einfluß in der Türkei auszubauen. Um die Türkei wirtschaftlich stark mache zu können, müssen Reformen durchgesetzt werden. Diese Reformen müssen den türkischen Problemen entsprechend sein. Die Lösungen dürften nicht importiert werden. Die Lösungsansätze müßten 100%'ig türkisch sein und sich an den türkischen Gebräuchen, Sitten, Kultur und der Geschichte orientieren. Bei der Durchführung der Reformen sollte darauf geachtet werden, daß keine soziale Schicht benachteiligt wird. Außerdem sollten alle, in der Türkei lebenden Personen, in diesen Prozeß einbezogen werden, ohne auf ihre ethnische Herkunft,Religion und Sprache zu achten. Jegliche Trennungsmerkmale sollen wegfallen.
Die Reformen sollen nicht materialistisch und ausbeuterisch ausgerichtet sein, wie die kapitalistischen Reformen. Es soll keine kleine Minderheit von wohlhabenden Personen über die Mehrheit regieren. Sie lehnen auch das sozialistische System ab, wo das Kapital angeblich dem Volk gehört und wodas Volk regiert, aber in der Wirklichkeit regieren die Parteifunktionäre über das Volk und verfügen frei über das Kapital. Die Ülkücüler wollen ein System mit der Aussage:
"Alles für die türkische Nation, für Türken ausgerichtet und für Türken gedacht."
2.4 DOKUZ ISIK (NEUN LICHTER)
Um das beste für die türkische Nation zu erreichen, müssen Grundvoraussetzungen bzw. Prinzipien vorhanden sein, woran sich die Türken richten können. Die Lösung für die türkische Nation, die Türkei wirtschaftlich und politisch stark zu machen, ist eine Doktrin, die als Richtlinie beachtet werden sollte. Die Lösung ist die Dokuz-Isik-Doktrin. Diese Doktrin hat für die Ülkücüler eine sehr große Bedeutung. Sie versuchen ihr Leben nach deren Vorschriften zu gestalten. Die Doktrin soll dazu führen, daß alle Personen zufrieden gestellt werden, und daß sich die gesellschaftlichen Beziehungen stärken.
Die Doktrin besteht aus den folgenden neun Säulen:
2.4.1. MiLLiYETCiLiK (BEKENNUNG ZUR NATION)
Bekennung zur Nation beinhaltet, daß man sich zur türkischen Nation zugehörig fühlt, und daß man gegenüber dem türkischen Staat loyal ist. Dazu gehört noch, daß alle Handlungen für die türkische Nation bedacht sein sollen. Dies alles soll unter dem Motto:
"Alles für das Türkentum und für die Türken."
ablaufen.
Sie streben die Vereinigung aller Türken an. Sie begründen diese Forderung mit dem Selbstbestimmungsrecht (Self-Determination) der Völker, wie es in der Charta der Vereinten Nationen festgehalten wurde.
Milliyetcilik bei den Ülkücüler bedeutet unter anderem auch, daß man über Trennungsmerkmale wie ethnische Herkunft, Sprache und Religion hinwegsieht. Für sie ist jeder ein Türke, der im türkischen Territorium lebt, sich als ein Türke fühlt und sich als Türke bezeichnet.
2.4.2 ÜLKÜCÜLÜK (BEKENNUNG ZUM IDEALISMUS)
Bekennung zum Idealismus bedeutet, daß man den Versuch unternimmt, die türkische Nation zu einer der zivilisiertesten und stärksten Nation zu machen.
(Ülkücülük ist im Kapitel 2.-2.3 näher erläutert.)
2.4.3 AHLAKCILIK (BEKENNUNG ZUR MORAL)
Die Bekennung zur Moral ist für die Ülkücüler so selbstverständlich, daß sie zu diesem Thema so gut wie keine Angaben machen. Unter Moral wird die Sittlichkeit verstanden. Die Moral soll den türkischen Sitten und dem türkischen Geist entsprechen. Die Moral soll dazu dienen, die türkische Nation zu mehr Eigenständigkeit und Stärke zu führen.
2.4.4 TOPLUMCULUK (BEKENNUNG ZUR GEMEINSCHAFT)
Bekennung zur Gemeinschaft bedeutet, daß man versucht, mit der Gemeinschaft zusammen zu arbeiten, daß man sich gegenseitig hilft, und daß man zusammen Geschäfte abwickelt.
Die Ülkücüler unterteilen diesen Punkt in drei Unterpunkte.
1. Privatinitiative: Die Privatinitiative im wirtschaftlichen Bereich soll durch den Staat unterstützt werden. Außerdem soll der Staat darauf achten, daß die Rechte der Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Drittpersonen nicht verletzt werden.
2. Zusammenschluß von Kleinkapital: Das Kleinkapital der Bürger soll in Form von Staatsinvestitionen angelegt werden. Somit würde man eine Kapitalvergrößerung erreichen und der Staat könnte dann in Bereiche wie Schwerindustrie und Forschung investieren.
3. Soziale Einrichtungen: Die Ülkücüler wollen eine soziale Einrichtung schaffen, wo Menschen in Not geholfen werden soll. Diese Organisation soll den Bedürftigen eine finanzielle Stütze leisten, damit sie Menschenwürdig leben können. Jeder soll die Möglichkeit bekommen sich zu bilden, ernähren und medizinisch zu versorgen. Neben diesen sozialen Einrichtungen sollen auch kulturelle Institutionen geschaffen werden, damit man den Alltag der Menschen lockerer gestalten kann und sie freude am Leben finden.
2.4.5 iLiMCiLiK (BEKENNUNG ZUR WISSENSCHAFT)
Bekennung zur Wissenschaft bedeutet, daß man alle Handlungen und Ereignisse anhand der Wissenschaft zu deuten versuchen sollte. Man sollte nicht voreilige schlüsse ziehen und damit den Fortschritt verhindern. Alle Vorhaben, die die Ülkücüler haben sollten, sollten auch klar und verständlich sein und einen Sinn ergeben.
2.4.6 HÜRRIYETCILIK (BEKENNUNG ZUR FREIHEIT)
Die Ülkücüler setzen sich dafür ein, daß alle Freiheiten, die in der Charta der Vereinten Nationen festgehalten wurden, auch realisiert werden sollen. Sie verlangen freie Meinungsäußerung, Gewissensfreiheit, Pressefreiheit, soziale Freiheit und individuelle Freiheit (Menschenwürde).
2.4.7 KÖYCÜLÜK (REFORMIERUNG DER DÖRFER)
Köycülük bedeutet, daß man die Infrastruktur in den Dörfern ausbauen will. Es sollen Schulen, soziale Einrichtungen und medizinische Institutionen eingerichtet werden. Außerdem sollen Kommunen entstehen, die den Bauern bei der Bewirtschaftung ihrer Böden, durch den Einsatz von Maschinen, helfen sollen.
2.4.8 GELiSiMCiLiK VE HALKCILIK (ENTWICKLUNG UND POPULISMUS)
Es soll eine Entwicklung in allen Bereichen angestrebt werden. Diese Bestreben sollen dazu dienen, daß die Türkei in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Soziales fortschrittlich werden soll. Die Reformen, die dafür benötigt werden, sollen der türkischen Sitte und der Geschichte entsprechen.
2.4.9 ENDUSTRiCiLiK VE TEKNiKCiLiK (INDUSTRIALISIERUNG UND TECHNOLOGISIERUNG)
Endustricilik bedeutet, daß die Industrie ausgebaut werden soll. Die Türkei soll eine Schwerindustrie einrichten und ihre Bodenschätze besser verwerten. Sie sind der Meinung, daß dies nur mit einer starken Technologisierung stattfinden könnte.
Die neun Säulen der Dokuz-Isik-Doktrin wurden kurz dargestellt. In der Literatur wird nicht darauf eingegangen, wie man diese Doktrin einsetzen soll. Die Doktrin gibt nur globale und nicht näher definierte Bedingungen bzw. Ziele die gemacht oder erreicht werden sollen. Jeder Ülkücü soll ein Weg finden, wie er diese Prinzipien am besten in seinem Leben, seiner Umgebung und seiner Arbeit umsetzen kann. Die Ideologie des Ülkücülük geht davon aus, daß jeder für das Allgemeinwohl bedacht ist und seine Handlungen auch dem entsprechend koordiniert. Der Staat würde in dieser Ideologie erst dann etwas unternehmen, wenn es sich um ein Vorhaben größeren Rahmens handelt. Ansonsten läßt der Staat dem Individiuum ein freien Handlungsspielraum.
Die Handlungen, die in zusammenhang mit der Doktrin geschehen, sollen in erster Linie allen Türken in der Türkei helfen. Dann den Türken außerhalb der Türkei, solange die Türkei dadurch nicht in Gefahr gerät, und danach der Menschheit.
Um die Ziele zu erreichen, die sie anstreben, müßten alle neun Säulen der Dokuz-Isik-Doktrin beachtet und in die Tat umgesetzt werden. Sie vertreten die Meinung, daß jeder Ülkücü nach diesen Prinzipien leben sollte, auch wenn er kein Erfolg in aussicht sieht.
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3. DIE ÜLKÜCÜLÜK-BEWEGUNG IN DER PRAXIS
Nach dem ich die Literatur über die Ülkücülük-Bewegung durchgelesen und mit meiner Arbeit angefangen hatte, habe ich mich mit einigen Anhängern dieser Bewegung zusammengetan und über die Ülkücülük-Bewegung gesprochen. Ich habe bei den Gesprächen herausgefunden, daß die Theorie und die Praxis dieser Bewegung sehr weit voneinander entfernt sind.
Die Anhänger dieser Bewegung könnte man grob in drei Lager einteilen. Die erste Gruppe sind Personen, die sich aktiv in Verbänden und Vereinen engagieren. Sie sind durchaus politisch und kulturell gebildet. Sie versuchen nach den Grundsätzen der Ülkücülük-Theorie zu leben. Nach ihrem Verständnis ist die Ülkücülük-Theorie eine Lebensart, die dazu führen soll, die türkische Nation zu stärken. Für sie ist das Ziel der Bewegung eine Gesellschaft mit Respekt, sozialem Zusammenhalt, Rückbesinnung zur eigenen Kultur und Stärke nach außen hin zu schaffen, die mit wirtschaftlicher Stärke erreicht werden soll. Die Bewegung soll keinesfalls dazu führen, daß andere Nationen diskriminiert werden. Im Grunde geben sie fast alles wieder, was auch in der Literatur zu finden ist. Die zweite Gruppe sind Personen, die unter dem Namen "Graue Wölfe" bekannt geworden sind. Sie definieren den Begriff der türkischen Nation sehr eng, ohne eine glaubwürdige Definition dafür zu liefern. Für sie ist jemand nur dann ein Türke, der türkischer Abstammung ist. Wenn man sie fragt, wie sie eine türkische Abstammung definieren, so können sie diese Frage nicht beantworten. Sie sind Personen, die den Begriff der Nation aus dem Verständnis anderen Kulturen übernommen haben und ihn auf die türkische Nation anpassen wollen, ohne die geschichtliche Entwicklung der Turkvölker zu beachten. Denn in Laufe der Jahre haben sich die Turkvölker mit vielen anderen Völkern vermischt, so daß man nicht nachvollziehen kann, wer wirklich eine reine türkische Abstammung hat. Sie sind in ihrer Organisationsform und ihren Forderungen faschistisch, rassistisch und vertreten Ansichten, die man mit der theoretischen Form der Ülkücülük-Theorie nicht vereinbaren kann. Die dritte Gruppe von Ülkücüler sind in beiden Gruppierungen zu finden. Sie sind Mitläufer und prahlen mit ihrer Zugehörigkeit zu den Ülkücüler, ohne die Ziele und Vorstellungen der Bewegung zu kennen.
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